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Persönlichkeitsprofile - Fluch oder Segen?

Grafik mit drei Personen und Häkchen über ihren Köpfen
15. Februar 2018
von Sebastien Koch
Aktuelles Für Bewerber Tipps

Vor einigen Jahren war die Erstellung eines individuellen Persönlichkeitsprofils noch eine teure Sache und wurde entsprechend selten (von BewerberInnen wie auch Unternehmen) genutzt.

Heute bieten immer mehr (Online-)Karriereplattformen die Möglichkeit, sich innerhalb weniger Minuten ein kostenloses Kurzprofil seines Charakters zu erstellen und dieses im Netz als Teil des Selbstmarketings anzeigen zu lassen. In diesem Artikel erfahren Sie alles über den neuen Trend sowie den Risiken und Potentialen der neuen “Profiles to go”.

Persönlichkeitsprofile - was sollte man beachten?

Das Innerste nicht öffentlich nach außen kehren!

Zuallererst sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass ein öffentlich zugängliches Persönlichkeitsprofil in Ihrem Social Media Account vor allem eines mit sich bringen könnte: Missverständnisse. Nämlich darüber, was die freundlichen bunten Grafiken wirklich über Sie als Mensch aussagen. Schließlich ist nicht jeder (bzw. fast niemand) mit der korrekten Interpretation eines psychologischen Profils vertraut. Zum zweiten wirkt ein zu freizügiger Umgang mit persönlichen Lebensinhalten im Erstkontakt oft abschreckend auf unsere Umwelt.

Gibt es Angaben über die Validität des Profiles?

Neben psychologisch fundierten Analysemodellen existieren bereits zahlreiche überteuerte Angebote für Persönlichkeitsprofile, die nie auf deren Übereinstimmung mit der Wirklichkeit geprüft wurden. Doch auch renommierte Analysen sind nicht frei von jeder Kritik. Kurz gesagt: Hinterfragen Sie, ob das Testverfahren allgemein auf Übereinstimmung mit der Realität geprüft wurde (Validität).

Zu seriösen Analyseverfahren finden sich meist Angaben oder Quellen zur Validität in Zahlenform. Der Wert reicht hier von 0 (keine Validität) bis 1 (absolut valide). Ab einem Wert von 0.8 lässt sich von einer hohen Übereinstimmung der Testergebnisse mit der Wirklichkeit sprechen.

Verändert sich mein Analyseergebnis?

Sollten sich Ihre Ergebnisse bei mehreren Testversuchen hintereinander gravierend unterscheiden, ist die Analyse mit Sicherheit fehlerhaft. Ein seriöses Analysemodell zeichnet sich neben der Validität auch durch die konstanten Ergebnisse bei mehreren Versuchen aus (Reliabiltät). Besonders bei kostenlosen Online Profilerstellungen können Sie die Reliabilität durch mehrfaches Wiederholen des Verfahrens leicht prüfen.

Auch die Reliabilität wird in Zahlenform von 0 bis 1 angegeben.

Erfolgen Durchführung und Auswertung objektiv?

Sowohl die Durchführung als auch die Auswertung sollten so gestaltet werden, dass keine Faktoren von außen (z.B. Stimmung des Fachexperten) Einfluss auf das Ergebnis nehmen können. Ein guter Indikator hierfür sind die Durchführung und Auswertung am PC, da hier rein logische Algorithmen zur Anwendung kommen. Auch gegen eine manuelle Auswertung am Papier spricht nichts, soweit diese klaren Regeln und Standards entspricht.


Zur Orientierung: Testverfahren, die auf Vergleichsanalysen beruhen, sind im allgemeinen objektiver als Analysen, welche auf Selbsteinschätzungen oder Interpretation durch einzelne Fachexperten beruhen. Diese geben Ihnen eine  Benchmark, wie andere Personen im Vergleich zu Ihnen, mit bestimmten Aufgaben umgehen. Sie umfassen oft zehn- bis hunderttausende Datensätze von Personen, die den Modus ebenfalls absolviert haben. Daran wird auch Ihr persönlicher “Level” definiert (Bsp. klassischer IQ Test).

Wurde das Verfahren wirklich für die konkrete Situation entwickelt?

Ein Auswahlverfahren, welches z.B. für das Militär entwickelt wurde, kann und darf nicht unmodifiziert auf andere Personalauswahlen umgelegt werden. Meist geben die einzelnen Anbieter daher auch an, wo das konkrete Tool seinen Ursprung hat und wie es angepasst wurde.

Welche Rolle spielen Persönlichkeitstests in der Personalauswahl/Jobsuche?

Wenige Unternehmen setzen diagnostische Verfahren zur Personalauswahl ein, da diese im Idealfall auf die konkrete Stelle & Organisation angepasst werden müssten. Daher können (und sollten) Persönlichkeitsanalysen stets nur unterstützend im Recruiting genutzt werden.

Fazit.

Insgesamt entgehen Ihnen daher zumindest aktuell, definitiv keine interessanten Jobangebote und Sie können den neuen Trend der “Profiles to go” getrost noch ein wenig länger trendig sein lassen… ;)

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